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Die Devise hiess T tet alles was sich bewegt SACHBUCH B cher Tages Anzeiger07. Januar 2008, 17:41 Von Rudolf Walther SACHBUCHDie Devise hiess: «Tötet alles, was sich bewegt!»Eine umfangreiche Studie zeigt: Der Vietnamkrieg war noch schlimmer, als wir schon wussten.Gerade wer glaubt, über den Vietnamkrieg Bescheid zu wissen, sollte zu Bernd Greiners Studie greifen. Er wird auf jeder Seite eines Besseren belehrt. Tatsächlich war alles viel schlimmer. Seit 1994 sind die Akten der «Vietnam War Crimes Working Group» im Nationalarchiv in College Park, Maryland, freigegeben. Aber noch kein Historiker hat sie auch nur annähernd so intensiv ausgewertet wie Greiner. Er zeichnet ein umfassendes Bild des Kriegsalltags in Vietnam sowie des politischen und juristischen Umgangs mit Kriegsverbrechen. In vier Kapiteln beschreibt Greiner zunächst die politischen Weichenstellungen der Kriegsherren, die militärischen Optionen der Generäle, die Mentalität und die Entscheidungen der unerfahrenen Frontoffiziere und schliesslich die aktiv kämpfende Truppe, die nur rund zehn Prozent aller Soldaten ausmachte. Im zweiten Teil des Buches analysiert der Autor im Detail die Kriegführung in den nördlichen Provinzen, die Massaker von «My Lai (4)» (amerikanischer Name für Binh Tay und Xom Lang) und «My Khe (4)» (My Hoi), und den Krieg im Süden. Greiner hat Aktenberge ausgewertet und zu einem Puzzle des Kriegsalltags zusammengesetzt. Schon Zahlen sprechen für sich: Die Special Forces rühmten sich ihrer Abschussquote, die 22-mal höher lag als die Verluste in den eigenen Reihen. Nur mit Mühe und oft auch gar nicht war diese Soldateska vom «wahllosen Morden» (Greiner) abzuhalten. Niemand bekam mehr Orden als diese Mörderbanden. Derlei geschah jedoch nicht spontan, sondern war die Antwort der Truppe auf die von oben erwünschte «Kill Ration», wonach ein toter Amerikaner mit 100 bis 150 toten Vietnamesen aufgewogen werden sollte. Als Belohnung winkten Sonderurlaube in den Bordellen Thailands. Die Dichte und Qualität der Belege, die Greiner beibringt, sind niederschmetternd. Ein Kapitel für sich bildet der Umgang mit dem Kriegsrecht. Formal gab es kriegsrechtskonforme «Rules of Engagement». Sie waren aber so «elastisch» formuliert, dass viel Spielraum blieb. Zudem wurden eklatante Verstösse gegen das Kriegsrecht militärgerichtlich oft auf die lange Bank geschoben, nicht untersucht und wenn, dann nur mit lächerlichen Sanktionen belegt. Zeitweise wurden die «Rules» förmlich ausser Kraft gesetzt. Die Relativierung des Kriegsrechts setzte bei dessen Fundament an: der Unterscheidung von militärischen Kombattanten und Zivilisten. 90 Prozent des Artilleriebeschusses hatte mit Kampfhandlungen am Boden gar nichts zu tun, sondern galt wahllos Dörfern und der Infrastruktur des Landes. Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte zwischen 1964 und 1968, General William C. Westmoreland, bastelte sich sein eigenes Kriegsrecht: «Die Leute in den Umsiedlungslagern, die sind grün. Diese lassen wir in Ruhe. Der Vietcong und die Nordvietnamesische Volksarmee sind rot, Freiwild für uns. Aber wenn dort draussen Leute sind, ausserhalb der Lager, dann sind die für uns rosa. Das sind kommunistische Sympathisanten.» Unten, bei Kompaniechefs, kam diese Theorie rustikal an: «Tötet alles, was sich bewegt!» Blutspur der «Operation Wheeler»Monate vor und nach den weltweit bekannt gewordenen Massakern in My Lai und My Khe kam es zu vergleichbaren Aktionen. Bernd Greiner rekonstruiert aus den Akten die Blutspur, die Einheiten der «Operation Wheeler» 1967 durch Quang Tin und das Song-Ve-Tal zogen: «Sie erschossen ohne jeden Anlass Bauern im Feld und ermordeten Menschen, die ihnen zufällig über den Weg liefen, folterten Gefangene und führten sie einzeln oder in Gruppen zur Exekution.» Die Fülle des Quellenmaterials und die konzisen Analysen des Autors können hier nur schlaglichtartig ausgeleuchtet werden. Es bleibt zu hoffen, dass das Meisterwerk möglichst bald in einer Studien- oder Taschenbuchausgabe auch weniger kaufkräftigen Schichten zugänglich gemacht wird. Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. Hamburger Edition, Hamburg 2007. 595 S., 58.90 Fr.07. Januar 2008, 17:41 Von Rudolf Walther SACHBUCHDie Devise hiess: «Tötet alles, was sich bewegt!»Eine umfangreiche Studie zeigt: Der Vietnamkrieg war noch schlimmer, als wir schon wussten. Gerade wer glaubt, über den Vietnamkrieg Bescheid zu wissen, sollte zu Bernd Greiners Studie greifen. Er wird auf jeder Seite eines Besseren belehrt. Tatsächlich war alles viel schlimmer. Seit 1994 sind die Akten der «Vietnam War Crimes Working Group» im Nationalarchiv in College Park, Maryland, freigegeben. Aber noch kein Historiker hat sie auch nur annähernd so intensiv ausgewertet wie Greiner. Er zeichnet ein umfassendes Bild des Kriegsalltags in Vietnam sowie des politischen und juristischen Umgangs mit Kriegsverbrechen. In vier Kapiteln beschreibt Greiner zunächst die politischen Weichenstellungen der Kriegsherren, die militärischen Optionen der Generäle, die Mentalität und die Entscheidungen der unerfahrenen Frontoffiziere und schliesslich die aktiv kämpfende Truppe, die nur rund zehn Prozent aller Soldaten ausmachte. Im zweiten Teil des Buches analysiert der Autor im Detail die Kriegführung in den nördlichen Provinzen, die Massaker von «My Lai (4)» (amerikanischer Name für Binh Tay und Xom Lang) und «My Khe (4)» (My Hoi), und den Krieg im Süden. Greiner hat Aktenberge ausgewertet und zu einem Puzzle des Kriegsalltags zusammengesetzt. Schon Zahlen sprechen für sich: Die Special Forces rühmten sich ihrer Abschussquote, die 22-mal höher lag als die Verluste in den eigenen Reihen. Nur mit Mühe und oft auch gar nicht war diese Soldateska vom «wahllosen Morden» (Greiner) abzuhalten. Niemand bekam mehr Orden als diese Mörderbanden. Derlei geschah jedoch nicht spontan, sondern war die Antwort der Truppe auf die von oben erwünschte «Kill Ration», wonach ein toter Amerikaner mit 100 bis 150 toten Vietnamesen aufgewogen werden sollte. Als Belohnung winkten Sonderurlaube in den Bordellen Thailands. Die Dichte und Qualität der Belege, die Greiner beibringt, sind niederschmetternd. Ein Kapitel für sich bildet der Umgang mit dem Kriegsrecht. Formal gab es kriegsrechtskonforme «Rules of Engagement». Sie waren aber so «elastisch» formuliert, dass viel Spielraum blieb. Zudem wurden eklatante Verstösse gegen das Kriegsrecht militärgerichtlich oft auf die lange Bank geschoben, nicht untersucht und wenn, dann nur mit lächerlichen Sanktionen belegt. Zeitweise wurden die «Rules» förmlich ausser Kraft gesetzt. Die Relativierung des Kriegsrechts setzte bei dessen Fundament an: der Unterscheidung von militärischen Kombattanten und Zivilisten. 90 Prozent des Artilleriebeschusses hatte mit Kampfhandlungen am Boden gar nichts zu tun, sondern galt wahllos Dörfern und der Infrastruktur des Landes. Der Oberkommandierende der US-Streitkräfte zwischen 1964 und 1968, General William C. Westmoreland, bastelte sich sein eigenes Kriegsrecht: «Die Leute in den Umsiedlungslagern, die sind grün. Diese lassen wir in Ruhe. Der Vietcong und die Nordvietnamesische Volksarmee sind rot, Freiwild für uns. Aber wenn dort draussen Leute sind, ausserhalb der Lager, dann sind die für uns rosa. Das sind kommunistische Sympathisanten. » Unten, bei Kompaniechefs, kam diese Theorie rustikal an: «Tötet alles, was sich bewegt!» Blutspur der «Operation Wheeler»Monate vor und nach den weltweit bekannt gewordenen Massakern in My Lai und My Khe kam es zu vergleichbaren Aktionen. Bernd Greiner rekonstruiert aus den Akten die Blutspur, die Einheiten der «Operation Wheeler» 1967 durch Quang Tin und das Song-Ve-Tal zogen: «Sie erschossen ohne jeden Anlass Bauern im Feld und ermordeten Menschen, die ihnen zufällig über den Weg liefen, folterten Gefangene und führten sie einzeln oder in Gruppen zur Exekution. » Die Fülle des Quellenmaterials und die konzisen Analysen des Autors können hier nur schlaglichtartig ausgeleuchtet werden. Es bleibt zu hoffen, dass das Meisterwerk möglichst bald in einer Studien- oder Taschenbuchausgabe auch weniger kaufkräftigen Schichten zugänglich gemacht wird. Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. Hamburger Edition, Hamburg 2007. 595 S. , 58. 90 Fr.Letzten Artikel zu devise schweiz Die Devise hiess T tet alles was sich bewegt SACHBUCH B cher Tages Anzeiger (2007-09-10) 07. Januar 2008, 17:41 Von Rudolf Walther SACHBUCHDie Devise hiess: «Tötet alles, was sich bewegt!»Eine umfangreiche Studie zeigt: Der Vietnamkrieg war noch schlimmer, als wir schon wussten.Gerade wer glaubt, über den Vietnamkrieg Bescheid zu wissen, sollte zu Bernd Greiners Studie greifen. Er wird auf jeder Seite eines Besseren belehrt. Tatsächlich war alles viel schlimmer. 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